Neuer Hochsicherheitstrakt bei Tegut

Die Tegut – Filiale in Witzenhausen hat ihre Laderampe weiter verbarrikadiert. Der bisherige Stahlgitterzaun, der 30cm unter der Decke endete, wurde ganz bis zur Decke erweitert. Des Weiteren wurden im unteren Bereich Bleche vor den Zaun genietet. Genau hinter diesem Zaun stehen die Mülltonnen in welchen tagtäglich genießbare Lebensmittel entsorgt werden. Tegut möchte dies scheinbar verheimlichen, weil die Unternehmenswerbung und das aufgebaute Image etwas anderes vermuten lassen.
Es liegt der Verdacht nahe, dass dies die Unternehmenspolitik von Tegut ist, da auch in benachbarten Städten vermehrt Mülltonnen von Tegutfilialen hinter Gittern verschwinden.
Diese Verheimlichungs- und Wegschließpolitik seitens Teguts zeigt eindrucksvoll, dass es in der kapitalistischen Warenproduktion nicht um die Befriedigung von Bedürfnissen geht. Auch in den Industrieländern gibt es Menschen, die sich nicht ausreichend Lebensmittel kaufen können, obwohl bis zu 50% der Lebensmittel ungenutzt entsorgt werden. Die kapitalistische Warenproduktion findet ausschließlich zur Mehrwerterzielung und somit zur Kapitalvergrößerung statt. Das durch die Ware Lebensmittel Menschen ihr Bedürfnis nach Essen befriedigen können, ist lediglich der ökonomisch nebensächliche Gebrauchswert dieser Waren. Im Kapitalismus wird nicht für Bedürfnisse, sondern für den Bedarf produziert. Der Bedarf ist ein mit Kaufkraft verbundenes Bedürfnis. Es wird also nicht begonnen Lebensmittel zu produzieren weil Menschen hungern (Bedürfnis). Es wird erst begonnen zu produzieren, wenn die Menschen, die hungern, auch für ihr Essen genügend bezahlen können (Bedarf).

Dies betrifft natürlich auch die Produktion von Bio-Lebensmitteln. Sobald diese für den Markt produziert werden, werden sie nicht für Menschen mit wenig oder keinem Geld produziert. Für Biolandwirt_innen spielen Menschen ohne oder mit wenig Geld somit keine Rolle, da sich nur mit wohlhabenderen Konsumierenden eine mehrwertorientierte Produktion realisieren lässt (dies soll keine direkte Kritik an den Produzierenden von (Bio-)Lebensmitteln sein, es handelt sich um ein systemimmanentes Problem der kapitalistischen Warenproduktion).
Lebensmittel werden nicht generell zum Wohle aller Menschen produziert, auch wenn dies oft so dargestellt wird. Die nicht an die Konsumierenden verkauften Lebensmittel werden lieber weggeschmissen und vor Menschen, die davon gerne leben würden, weggeschlossen.
Die genießbaren Lebensmittel in den weggesperrten Tegut-Mülleimern sind das Eigentum von Tegut. Dieses Eigentum ist für Tegut völlig nutzlos, dennoch verteidigen sie es vor Menschen, die die Lebensmittel wirklich brauchen würden. Genau auf dieser Eigentumslogik basiert die Verteilung von Ressourcen in dieser Welt. Eine der wichtigsten Aufgaben des Staates ist es die Eigentumsverhältnisse zu verteidigen. Dies übernehmen die Polizei und das Justizsystem. Mit Abstand die meisten sog. Straftaten, weswegen Menschen vor Gericht stehen und auch in den Knästen verschwinden haben mit Eigentumsdelikten zu tun. Bei einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich muss wohl nicht erwähnt werden, wen dies in der Regel trifft. Auch hier spielt die gesellschaftliche Ressourcenverteilung eine große und menschliche Bedürfnisse überhaupt keine Rolle.
Das in den Industrieländern doch nicht so viele Menschen hungern und verhungern, wie es nach einer rein ökonomischen Betrachtung der Fall sein müsste, hängt damit zusammen, das von Seiten der Politik durchaus erkannt wird, dass es zur Stabilität beiträgt, wenn die Unterprivilegierten und Armen in dieser Gesellschaft mit einem Minimum, das gerade zum Überleben reicht, unterstützt werden. Auch private, almosenbasierte Initiativen wie die Tafeln kümmern sich darum, dass ein Teil der ökonomisch überflüssigen Lebensmittel doch noch zu den Menschen gelangen.

Tegut behauptet im witzenhäuser Containerverfahren, dass die Angeklagten Lebensmittel, die für die Tafel bestimmt gewesen seien, gestohlen hätten. Durch diese Anschuldigungen von Tegut zeigt sich, dass es durchaus vorkommt das Lebensmittel die Tegut an die Tafel spendet auch bei Temperaturen von tagsüber 32°C im Freien auf der oben beschriebenen Laderampe, auch ohne Schutz vor Mäusen und Ratten, gelagert werden. Dies wurde auch vom stellvertretenden Tegut-Geschäftsführer bei der Zeug_innenbefragung am ersten Prozesstag bekräftigt.
Die Bleche vor der Laderampe schützen weder vor hohen Temperaturen, noch vor Schadnagern. Sie schützen vor den Blicken einer kritischen Öffentlichkeit, denen solche Zustände in Zukunft verborgen bleiben sollen.

Wir fordern den sofortigen Abbau des Zaunes, damit wenigstens die noch genießbaren Lebensmittel in den Mülltonnen von Tegut „containert“ werden können!


1 Antwort auf „Neuer Hochsicherheitstrakt bei Tegut“


  1. 1 Toby Leo Link 15. Februar 2014 um 15:50 Uhr

    Servus!
    Ich wollte nur unsere Solidarität bekunden. Wir, der Blog Die Freiheitsliebe, haben über Euch und die Anklage berichtet:

    http://diefreiheitsliebe.de/gerechtigkeit-2/drei-monate-gefaengnis-fuer-containern

    http://diefreiheitsliebe.de/gerechtigkeit-2/tegut-mauert-sich-ein-nachhaltigkeitsidee-nur-greenwashing

    Gerne würden wir mit Euch in Kontakt treten – leider gibt es kein Kontaktformular oder Impressum auf dem Blog.

    Beste Grüße,
    Toby Leo Link

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