Offener Brief an Tegut

An

Tegut… Witzenhausen
Hinter dem Deich 2
37213 Witzenhausen Witzenhausen, den 18.02.2014

Sehr geehrte Tegut Geschäftsführung,
sehr geehrte Tegut Firmenleitung,
sehr geehrte Frau Stella Kircher,

in Deutschland landen fünfzig Prozent aller produzierten Lebensmittel im Müll, obwohl täglich weltweit 24.000 Menschen an Hunger sterben. Auch in Ihren Filialen sind viele der weggeworfenen Lebensmittel noch sehr gut genießbar. Ein Beispiel sind Joghurts, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum am selbigen Tag abgelaufen ist, oder das komplette Netz Orangen, indem nur eine Frucht schlecht geworden ist. Nur ein Teil der von Tegut weggeworfenen Lebensmittel werden der Tafel gespendet.

Auf Ihrer Internetseite werben Sie im Rahmen eines veröffentlichten Interviews mit Valentin Thun, der Lebensmittelverschwendung aufdeckt und thematisiert, mit ihrem ökologischen Image und sprechen sich dadurch gegen Lebensmittelverschwendung aus. Leider können wir von Ihrem Unternehmen kaum Bemühungen erkennen,
Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Stattdessen kriminalisieren Sie angebliche „Containerer“, also Menschen die Lebensmittelverschwendung kritisieren und die versuchen ein Statement gegen die Wegwerfmentalität zu setzen. Zudem verbarrikadieren Sie noch sehr gut genießbare Lebensmittel hinter meterhohen Gitterzäunen und Sichtblenden. Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur in Witzenhausen, sondern auch in vielen anderen Filialen.

Dem Autoren des Artikels „Brote Retten nicht erlaubt“ vom 29.01.14 im „Neuen Deutschland“ sagt Stella Kircher in ihrer Funktion als Pressesprecherin, dass Tegut „für Ideen zum bewussten Umgang mit Lebensmitteln“ stets dankbar sei. Aus diesem Grund wollen wir hiermit Ihrer Aufforderung folgen und Ihnen einen Vorschlag machen, wie Sie mit gutem Beispiel vorangehen und vielleicht sogar ein Vorbild für andere Supermärkte sein könnten:
Entfernen Sie die Zäune um die von Ihnen aussortierten, aber noch genießbaren Lebensmittel, oder platzieren Sie diese außerhalb der Zäune.

Der Sprecher des Bundesverbandes des deutschen Lebensmittelhandels „Christian Böttcher“, bestätigt, dass es von Supermarktseite keinerlei Verpflichtung gibt Abfalltonnen zu „sichern“, also mit Schlössern abzuschließen, um zu verhindern, dass die enthaltende Ware mitgenommen wird. Solange Abfalltonnen frei zugänglich sind, erfolge der Verzehr der darin enthaltenden Lebensmittel auf eigene Gefahr. Der Händler könne in diesem Fall nicht zur Verantwortung gezogen werden. (Quelle: Zeitungsartikel „Lebensmittel für Tafeln stammen nicht aus dem Müll“ veröffentlicht am 27.1.14 in der HNA)

Wir fordern Sie hiermit auf, in all Ihren Filialen die noch genießbaren Lebensmittel, welche ansonsten im Müll landen würden, für alle Menschen erreichbar zu platzieren. Ein weiteres Verbarrikadieren ist keine Lösung gegen Lebensmittelverschwendung.

Mit freundlichen Grüßen


3 Antworten auf „Offener Brief an Tegut“


  1. 1 Monika Waldkirch 19. Februar 2014 um 21:24 Uhr

    Sofort frei lassen, ohne Geldstrafe. Strafbar ist die Wegwerfgesellschaft im gnadenlosen Wettbewerb des globalen Neoliberalismus und Kapitalismus.

  2. 2 Brigitte Adelmann 21. Februar 2014 um 19:36 Uhr

    Die Foodsharer im Großraum Nürnberg freuen sich über den Freispruch und gratulieren recht herzlich.
    Ein Teil von uns ist am 30.3. in Witzenhausen – vielleicht sieht man sich…

  3. 3 Thorsten Dressler 06. April 2014 um 20:15 Uhr

    Glückwunsch zum Freispruch!
    Bin im Pengland (Mz) mit Foodsharing Vorschlag ausgebremst worden:
    Sortieranlage für Lebensmittel-“Abfall“
    Reefood-Tonnenannahme, Wasch+Sortierstraße,ggf. Marmeladenküche, Ausgabe / Fairteiler.
    Kühlschränke und Spülmaschinen hab ich immer noch auf Lager.
    Soundsysteme übrigens auch.
    Suche Leute mit denen Hier in Wiesbaden Protest vor Landtag, Staatskanzlei und Wirtschaftsministerium machbar ist.
    Irgendwie herrscht hier in Wiesbaden erdrückende Totenstille.

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