Ein Drittel der weltweit für den menschlichen Verzehr geernteten und produzierten Lebensmittel landen auf dem Müll, Schätzungen für die Industrieländer gehen sogar von der Hälfte aus.
Und der jährliche Müllberg wächst immer weiter. Seit den 1970er Jahren hat er sich um fast 50% vergrößert.
Lebensmittel sind heute Massenwaren, die Discounter unterbieten sich im Preis und im Supermarkt soll der Konsumierende sich zwischen 100 Joghurtsorten entscheiden, die später nicht selten im Kühlschrank verderben. Verbraucher_innen sind es gewohnt, im Supermarkt zu jeder Tages- und Jahreszeit alles zu finden was sie benötigen: Erdbeeren im Dezember und frisches Brot bis in die Nacht hinein.
Was bis Ladenschluss nicht verkauft wurde, wandert oft in den Müllcontainer. So gibt es in einigen Einzelhandelsgeschäften sogenannte Tagesartikel im Gemüsebereich, das heißt sie liegen nur einen Tag im Regal. Hierzu zählen z.B. Kopfsalat und Radieschen.¹
Um den Käufern die immer gleiche perfekte Ware anbieten zu können muss kräftig aussortiert werden. Sobald ein einziges Blatt gammelig ist, wird der ganze Salat weggeworfen. Bei Obst und Gemüse, das in Netzen oder Schalen verkauft wird, landet bei einer schlecht gewordenen Frucht häufig das ganze Netz oder die Schale in der Tonne. Dies betrifft beispielsweise Zitrusfrüchte und Tomaten. Die Arbeitszeit, die Angestellte dazu verwenden müssten einzelne Obst- und Gemüsestücke auszusortieren, ist den meisten Händler_innen zu teuer.

Milchprodukte werden oft mehrere Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) aussortiert und weggeworfen. Dabei sind sie meist noch genießbar. Das Datum wird von den Herstellern selbst angegeben. Unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes werden die Fristen immer kürzer um den Warenumschlag zu erhöhen.
Die Definition der Verordnung über die Kennzeichnung von Lebensmitteln (§7) besagt: „Das MHD eines Lebensmittels ist das Datum, bis zu dem dieses Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifische Eigenschaften behält.“ Diese Eigenschaften können Geschmack, Geruch und Nährstoffgehalt betreffen. Im Fall von Joghurt und Quark bezieht sich das MHD häufig nur auf die verlorengehende cremige Konsistenz oder das Absetzen von Molke. Durch erneutes Aufrühren durch die Verbrauchenden wäre dies behoben.

Ein anderes Beispiel für Lebensmittelverschwendung sind Backwaren. Eine Durchschnittsbäckerei wirft 10-20% ihrer Tagesproduktion weg. Das ist jedes fünfte Brot. Pro Jahr werden in Deutschland 500.000 Tonnen Brot entsorgt, damit könnte im gleichen Zeitraum ganz Niedersachsen mit Brot versorgt werden.
In Europa werden pro Jahr insgesamt drei Millionen Tonnen Brot weggeschmissen, dies würde ganz Spanien mit Brot versorgen.¹
Das System der Verschwendung beginnt aber bereits auf dem Feld und dem Acker. Der Handel will nur perfekte Ware. Äpfel mit Schorf, verzweigte Karotten, krumme Gurken oder Herzkartoffeln würden im Supermarkt nicht verkauft werden und deshalb bleiben die Früchte gleich auf dem Feld.
Dies hat nichts mit Ernährungsqualität oder Geschmack zu tun sondern es geht allein um die Optik.
Damit immer frischer Salat im Angebot ist, muss immer ein bisschen mehr angebaut werden. Bleibt die Bestellung des Großhandels aber mal aus, wird der reife Salat einfach untergepflügt. Dies geschieht nicht weil er in irgendeiner Weise fehlerhaft wäre, sondern schlicht und einfach aus Überproduktion.¹

Laut einer Studie der FAO (Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen) vom Mai 2011 zu Nahrungsmittelverlusten und Lebensmittelverschwendung werden 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel umsonst produziert. In Europa und Nordamerika wirft jeder Bürger durchschnittlich 95-115 Kilo Lebensmittel pro Jahr weg.
Unsere Verschwendung und Überproduktion verschärft anderswo das Hungerproblem. Auch wenn Lebensmittel im Müll landen, erzeugen sie z.T. eine höhere Nachfrage, was zu höhere Preisen auf dem Weltmarkt führt. Menschen in ärmeren Ländern können sich dadurch oft keine Grundnahrungsmittel mehr leisten.
Zum Beispiel der Export von hier nicht absetzbarem, überschüssigem Geflügel zerstört lokale Märkte in anderen Ländern, wie auch die Existenzgrundlage vieler Kleinbäuer_innen.
Unser Umgang mit Lebensmitteln hat auch Auswirkungen auf das Weltklima. Ein Drittel der klimaschädlichen Gase entsteht bei der Herstellung von Lebensmitteln. Die Reduzierung des Lebensmittelmülls auf die Hälfte des heutigen Volumens würde so viel klimaschädliche Gase einsparen, wie die Stillegung von jedem zweiten Auto.¹

Quellen:
1. Stefan Kreuzberger / Valentin Thrun, Die Essensvernichter, Köln, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2011
2. Studuien des Swedish Institute for Food and Bioechnology im Auftrag der FAO, August 2010 bis Januar 2011. Pressemitteilung und Abstracts der Ergebnisse vom 11.05.2011. Veröffentlichung der Studie „Global Food Losses and Food Waste“ auf dem Internationalen Kongress SAVE FOOD! Am 16.05.2011 in Düsseldorf
3. Angaben nach Down jones News, 19.01.2011
4. Lundqvist, J., C. DeFraiture and D. Molden, Saving Water, From Field to Fork – Curbing Losses and Wastage in the Food Chain, SIWI Policy Brief, SIWI 2008